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Die Vermessung der Skiwelt schreitet voran

München (dpa/tmn) - Berggipfel um einen herum, der Blick geht weit über die Landschaft, kalter Fahrtwind im Gesicht - Skifahren ist ein Naturerlebnis. Doch die Digitalisierung hält auch hier Einzug, wie auf der Sportartikelmesse in München (3. bis 6. Februar) zu sehen ist.

Die Vermessung der Skiwelt schreitet voran. Zwei Einsatzbereiche im Überblick:

Die Leistungsmesser

Längst geht es nicht mehr nur darum, wie viele Pisten- oder Höhenkilometer Wintersportler an einem Skitag zurückgelegt haben. Die Sensoren von snowcookie geben dem Fahrer viel mehr Feedback. Die kleinen, blinkenden Teile erinnern optisch mehr an Klebesprengsätze aus einem Agentenfilm als an Kekse (cookies). Zwei von ihnen sind an beiden Ski befestigt, eines trägt der Fahrer als Gurt um die Brust. Sie messen erstaunlich detailliert seine Leistung.

In der dazugehörigen App, die bislang nur auf neueren iPhones läuft, kann man sich etwa ganz genau die Zahl der Schwünge auf einer Abfahrt anzeigen lassen und ob man diese gecarvt - also auf der Kante gefahren - oder gerutscht ist. Über den Tag bewertet die App mittels der Daten Ausdauer, Geschwindigkeit, Stil oder Engagement. So lassen sich Fort- oder eben Rückschritte sichtbar machen. Zugleich bediene das System, das seit wenigen Wochen für rund 300 Euro zu haben ist, die Gamification beim Skifahren, sagt Sprecher Krzysztof Machaj.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Moticon mit der Science-Sohle, die schon für Analysen bei Skispringern und Astronauten im Einsatz ist. Der Deutsche Skilehrerverband (DSLV) hat sie getestet. Die Sohle im Skischuh kann detaillierte Daten zum Fahrstil messen, etwa ob der Fahrer mehr über seine Ferse oder den Ballen seine Skier steuert. Über Tests hinaus ist das Projekt mit dem DSLV noch nicht gekommen.

In der «letzten Prototyp-Phase» ist der Smart-Ski von Elan. Hier messen im Ski integrierte Sensoren unter anderem Balance und Position auf den Brettern. Ende März sollen Wintersportler das Produkt, das auf der Ispo erstmals 2018 vorgestellt wurde, im Schnee testen können. Zu einer Markteinführung gab es noch keine Angaben.

Die Absicherer

Ein kleiner Chip im Helm ermöglicht die sogenannte Nahfeldkommunikation (NFC). Er soll im Ernstfall dazu beitragen, Leben zu retten. Der schwedische Hersteller POC hat diese Technik im Obex-BC-Helm verbaut. Darauf können Fahrer Daten speichern, die Retter im Notfall mit Smartphones auslesen können. Zum Beispiel Angaben zu Vorverletzungen, Blutgruppe und Unverträglichkeiten. Albert Meier vom DSLV sieht darin viel Nutzen: «Wenn die Rettungskräfte bei dieser Idee dabei sind, halte ich das für extrem sinnvoll», sagt er. «Wenn es hart auf hart kommt, dann kann es einen wichtigen Zeitvorteil bedeuten.»

Ein weiteres Helferlein für Wintersportler ist das System Aware Impact von Flaxta. Der Sensor kann am Skihelm befestigt werden und misst Stoßeinwirkungen: sowohl lineare G-Kräfte als auch die Drehgeschwindigkeit. «Diese beiden Kräfte sind die wichtigsten Faktoren bei Gehirnerschütterungen. Darum geht es: um Vorbeugung und Hilfe», erklärt Projektmanager Henning Solum. Außerdem könne die Software feststellen, wie stark und lange die Einwirkungen waren und etwa Ärzten bei der Einschätzung helfen. «Auch mehrere kleinere Stöße können später zu Gehirnerschütterungen führen.» Erhältlich könnte das System aus Sensor und App ab 2020 sein.

Eine Neuentwicklung von POC kann man kritisch sehen: die Pocito Kinderweste mit Rückenpanzer und GPS-Sender. Mit ihr können Eltern stets verfolgen, wo ihr Kind ist. Und sie schlägt Alarm nach einem Sturz. Im Skigebiet lassen sich Zonen festlegen, in denen das Kind unterwegs sein soll - verlässt es sie, bekommen die Eltern eine Benachrichtigung. Der Hersteller argumentiert mit mehr Sicherheit(-sgefühl) für beide Seiten. Albert Meier sieht es zwiegespalten. Natürlich sei dafür Nachfrage vorhanden. Aber als Kind sei man doch froh gewesen, wenn man mal allein unterwegs sein durfte. «Es ist wohl ein Trend in der Gesellschaft, dass immer mehr Eltern die volle Kontrolle über ihre Kinder haben wollen.»


Text: dpa / Bild: (dpa) (05.02.2019)